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Die Kolumne von Christoph Lindinger

Alltags-Coaching
oder nur wer anderen wirklich hilft, hilft sich selbst

 Es beginnt zumeist mit einer einfachen Frage. Es geschieht auf dem Flur, im Aufzug, im Büro, in der Werkhalle. Ein Kollege oder ein Mitarbeiter formuliert eine Bitte, ein Anliegen oder sucht nach einer Lösung für ein Problem. Wie schön, mag mancher denken. Man wird als Ratgeber bzw. als Vorgesetzter geschätzt.
 

Die Freude von Führungspersonen an der Problemlösung kommt erschwerend hinzu. Wer mag sich gerne zurückhalten, wenn doch die Lösung so einfach zu finden ist oder wenn es sich um ein wahrhaft interessantes Problem handelt. Dafür lebt mancher Mensch. Daraus beziehen viele Menschen ihre Selbstbestätigung. Hier genau ist ein Lernprozess von Nöten. Es ist ein kleiner Schritt nur. Er hat die Eigenschaft, alles Vorherige auf den Kopf zu stellen. Nicht die Freude am gelösten Problem, sondern die Freude, dass es ein Mitarbeiter oder ein Kollege eigenständig schaffte, das Problem selbst zu lösen. Ohne das mulmige Gefühl zu hinterlassen, dass am Ende doch wieder alles schief geht.

Alltags-Coaching heisst die Disziplin, mit der jemand Freude am Erfolg seiner Mitarbeiter haben kann. Man braucht Zeit dafür, keine Frage. Man gewinnt langfristig nicht nur Zeit. Man hilft sich selbst, weil man sich jetzt den eigenen Problemen widmen kann. Und hoffentlich findet man jemanden, der einem dabei wirklich hilft und nicht in den denselben Fehler verfällt.

Ihr


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Schnell bringt man eine Anweisung, eine Problemlösung oder einen Vorschlag vor und hat damit die Sache aus der Welt geschafft. Wirklich?
Warum bleibt dieses unangenehme Gefühl, dass die schnelle Antwort nur zu noch mehr Rückfragen führen wird? Warum wird dieselbe Person wieder vor einem stehen und dieselbe oder eine ähnliche Frage stellen? Warum bleibt trotz unserer Hilfestellung das Problem selbst ungelöst? Weil es nicht das Problem selbst ist, dass uns Probleme bereitet. Weil es eine falsch verstandene Hilfestellung ist, wenn man anderen das Denken abnimmt.
Nur wer anderen wirklich hilft, hat am Ende auch sich selbst geholfen. Wirklich helfen bedeutet, den anderen in die Lage zu versetzen, seine Probleme in Zukunft selbstständig anpacken zu können. Das ist mühsam. Das ist mit Überwindung verbunden. Erstaunlicherweise nicht nur für den, der vor der Frage oder vor dem ungelösten Problem steht.
Wie viel einfacher ist es doch, schnell eine Antwort zu geben. Viele Führungskräfte erklären ihr Handeln damit, dass es doch schneller gehe, eine komplizierte Sache selbst in die Hand zu nehmen, als den anderen bei der Lösungsfindung zu unterstützen. „Wenn ich es meinem Mitarbeiter rasch erkläre, dann bin ich das Thema los.“ Leider nur für den Moment. Morgen steht dieser Mensch mit einem ähnlichen Anliegen wieder vor der Tür. Die Führungskraft wird zum Problemlöseautomat.

 



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